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Eine Frage der Mentalität?

In einer anderen Diskussion hat Andy die These aufgestellt, dass öffentliches Leben im öffentlichen Raum in der heutigen Zeit oft nicht mal in den Köpfen der Leute existiert. Mit anderen Worten es gibt kaum noch Leute die sich einfach so auf der Strasse treffen um zu quatschen, die sich auf eine Bank im Park setzen oder einen öffentlichen Platz in einer Stadt mit Leben erfüllen indem sie dort mit anderen Leuten ins Gespräch kommen. Warum ist das so? Haben wir hier in Deutschland den Gemeinschaftgedanken vergessen? Ich habe meinen Beitrag aus dieser Diskussion kopiert und hier noch einmal zum weiterdislutieren eingestellt.
(Tarantel 08.06.2005)

Kommentare

Mein Beitrag aus einer anderen Diskussion: Das stimmt... ist schade... ich denke da immer an Spanien... da sieht man überall Leute auf öffentlichen Plätzen auf Bänken sitzen und miteinander quatschen... warum das in Deutschland nicht mehr geht finde ich komisch. man trifft sich zwar noch mit dem eigenen Freundeskreis, aber meist auch nur in den eigenen 4 Wänden. Dass man mit fremden Leuten in der Öffentlichkeit ins Gespräch kommt ist fast undenkbar. Eine Spanierin die hier in Deutschland lebt hat mir mal erzählt, dass sie es total komisch findet, dass sich bei uns die Leute in der Strassenbahn schweigend gegenüber sitzen. Sie meinte in Spanien wäre das undenkbar...die Spanier müssen sich unterhalten...geht gar nicht anders... Eine Frage der Mentalität? (Tarantel - 08.06.2005)

Die Frage die sich mir hier aufdrängt ist: Was muss man den Menschen bieten, damit das wieder in Gang kommt? Ich beziehe das jetzt mal nur auf Laatzen... was wollen die Laatzener? Liegt es nur an einem geeigneten Treffpunkt? Müssen immer Veranstaltungen sein? Was ich z.B. ganz witzig fände wäre ein regelmässig stattfindender Laatzener Frühshoppen (ich nenn jetzt mal so)... im Grund wie ein Usertreffen nur mit Bürgern....Lokalität im Sommer meinetwegen der Marktplatz oder der Park der Sinne...im Winter..ich weiss nicht. Tue ich mich schwer... (Tarantel - 08.06.2005)

Lockmittel sind eine Sache... Mentalitaet ist eine andere Sache... Was die Mentalitaet betrifft, werf ich mal "anerzogene" Anonymitaet ein (auch bedingt durch die Bebauung und Wohnsituationen), Cocooning, Sozialphobien (o.ae. im Ansatz), Pseudoindividualisierung (Verehrung des ICH und Aechtung des WIR), etc. (ohne Namen - 09.06.2005)

Nun frage ich mich, wann hat diese anerzogene Anonymität begonnen? Ich z.B. ´bin noch in einem absolut intakten Familienkreis aufgewachsen, wo noch viel in Familie gemacht wurde. Trotzdem lebe ich jetzt in einer anonymen Wohnplatte (und finde das auch noch gut) und finde so Sachen wie erzwungen familiäre Weihnachten etc. nicht so prickelnd. Aber anerzogen hat man mir das garantiert nicht... Und wie kann man das den Leuten wieder aberziehen? Die Gesellschaft fördert ja das ICH stärker als das WIR... weil das einzelne ICH besser beeinflussbar und kontrollierbar ist als das WIR... (Tarantel - 10.06.2005)

Wann es begonnen hat, weiss ich nicht. "Gefuehlt" wuerde ich sagen, so in den 80ern. Weihnachten: Da hat man dir doch die Unlust wahrscheinlich anerzogen durch zb schlechte eigene Erfahrungen, Ansichten aus der Umwelt (Wenn der weihnachtsfan als Trottel gilt, wird er schnell zum weihnachtshasser), Medien, eigene Denkmuster, etc. Evtl. wurde dir auch durch die anonyme Platte ABerzogen, sozial interaktiv zu sein (-> Cocooning), wodurch soziale Kontakte laestig werden (wozu eben auch Weihnachten gehoert). ICH/WIR: Naja, eigentlich lassen sich Massen viel besser beeinflussen als Einzelpersonen. Und wie bessern: K.A. - Vielleicht klaeren, was der Mensch ist, was gut fuer ihn ist und die Vorteile des WIR aufzeigen. Ich denke aber, die Menschen sind noch nicht so generell ins "krankhafte" abgerutscht - da hilft ggf. hier und dort das beruehmte "ans Haendchen nehmen", das sich manche sogar wuenschen (und das eigentlich fast jeden betreffen duerfte, weil wohl jeder irgendeinen Bedarf in der Hinsicht hat). (ohne Namen - 11.06.2005)

Ich denke aber, die Menschen sind noch nicht so generell ins "krankhafte" abgerutscht - da hilft ggf. hier und dort das beruehmte "ans Haendchen nehmen", das sich manche sogar wuenschen (und das eigentlich fast jeden betreffen duerfte, weil wohl jeder irgendeinen Bedarf in der Hinsicht hat). Da bleibt zu hoffen, dass da noch etwas zu retten ist. Allerdings bleibe ich noch immer bei meiner Meinung, dass es von Politik, Medien etc. heute nicht gewünscht ist das WIR zu fördern. Denn wenn sich Massen mobilisieren, dann kanns schnell mal zur revolte kommen... bleiben aber alle schön einzeln braucht man so etwas nicht zu befürchten. Heutzutage werden so Sachen wie Vereine, Chöre, Tanzgruppen etc. nicht mehr genügend gepusht...für Jugendliche ist es fast uncool... das wären noch Stätten an denen das Gemeinschaftsgefühl noch gefördert wird. Nein da spriessen Fitnesscenter wie Pilze aus der Erde, wo sich der Mensch einsam und alleinsam mit Kopfhören im Ohr (damit man bloss nicht mit dem Nachbarn labern braucht) auf dem Trimm-Dich-Gerät einen abstrampelt... da werden Dancecontest gemacht, wo man gegeneinander antanzt und nicht miteinander...da finden Musiccastings statt, wo es am Ende nur einen geben kann.... das ist die neue Kultur.... (Tarantel - 11.06.2005)

Absatz 1: Ja, auch das hat zwei Seiten ;) Absatz 2: Was aber auch an den Vereinen liegt (Stichworte: Oeffnung nach Aussen, Vernetzung, Synergie, etc) Absatz 3: Das ausgerechnet du die "Fitness"tempel als negatives Beispiel bringst, ueberrascht ;) Wettbewerbe (Singen, Tanzen, etc) sind ja an sich nichts schlechtes und koennen sogar Gemeinschaften foerdern. (ohne Namen - 12.06.2005)

Absatz 3: Das ausgerechnet du die "Fitness"tempel als negatives Beispiel bringst, ueberrascht ;) Komisch woher wusste ich schon vorher dass Du so etwas in der Art bringen würdest? :-) Natürlich sind im Hinblick auf Kommunikation und öffentliches Leben etc. die Fitnesstempel nicht unbedingt Vorbilder... habe ich auch nbie behauptet, da wir unter den Vorraussetzungen über diese Dinger auch noch nie diskutiert haben. Ich fand sie für mich nur besser als Vereine, weil sie mehr Möglichkeiten auf einem Platz bieten und flexibler sind was die "Öffnungszeiten" angeht... ansonsten ist man dort anonymer als im Verein. Man lernt zwar auch Leute kenne, aber das ist doch meist ziemlich oberflächlich. (Tarantel - 12.06.2005)

Vereine bieten so viele Zeiten und Moeglichkeiten (ich nehme an, du meist jene, sich zu bewegen), das ich kaum etwas zu deiner Einschaetzung sagen kann - gehe mal davon aus, du hast alle Vereine gezielt abgefragt... Da waeren wir auch wieder bei der "Schuld" der Vereine.. immerhin tun sie gemeinnuetzig.. dazu gehoert imho auch eine Ausrichtung auf das reale Leben der Gemeinen.. natuerlich im Rahmen ihrer Moeglichkeiten.. (ohne Namen - 13.06.2005)

Ich habe tatsächlich etliches an Vereinen bzw. an Sportangeboten der Vereine abgecheckt... Leider waren die sachen die für mich interessant waren nur für "Jugendliche" wozu ich dann nicht mehr zählte: Für Ballsportarten habe ich mich nicht interessiert, da wäre mit Sicherheit was gegangen.. Aber: immer alles nur 1x die Woche, das ist mir zuwenig und ebend diese festgelegten Termine, das mag ich persönlich nicht. ich möchte zum Sport gehen, wenn ich Lust habe und nicht weil grad Dienstag ist. Mit der Ausrichtung der Vereine hast Du recht... ist aber wahrscheinlich schwierig, weil die meisten das da eher nebenberuflich machen... (Gast - 13.06.2005)

Aber: immer alles nur 1x die Woche, das ist mir zuwenig und ebend diese festgelegten Termine, das mag ich persönlich nicht. ich möchte zum Sport gehen, wenn ich Lust habe und nicht weil grad Dienstag ist Naja, der Fitnesstempel hat auch Oeffnungszeiten... und da wird auch mal was besetzt sein, wenn du auftauchst... und du musst dann warten oder was anderes machen... Vereine bieten ja auch mehrere Sachen zu unterschiedlichen Zeiten an... dann gehste halt am DI nicht zum Turnen sondern MI zu Laufen (o.ae.)... Ausrichtung schwierig: Yep, und es stellt sich die Frage, ob sich die WIR-Gemeinschaften ueberhaupt krumm legen sollten, um sich nach den ICH-Menschen ausrichten zu koennen. (Ist keine Wertung deiner Person, sondern eher kritischer Einwurf bezueglich des Ego-Trends) (ohne Namen - 14.06.2005)

Die Öffnungszeiten sind sowas von grosszügig, dass man da wirklich keinerlei Einschränkungen hat. Auch habe ich es noch nie erlebt, dass ich irgendetwas nicht machen konnte, weil das was ich machen wollte grad besetzt ist. das einzige wo ich mich dort auch nach den Uhrzeiten richten muss sind Kurse. Und die Vereine bieten leider nicht diese Dinge an, die ich gern mache...insofern hätte ich nicht mal die Auswahl zwischen verschiedenen Tagen... wenns ebend nur 1x Aerobic gibt müsste ich mich danach richten. Ich will aber nicht abstreiten, dass das Angebot für andere vollkommen ausreichend ist, weil die ebend gern Ballsportarten z.B. machen und das mehrfach angeboten wird. Die Vereine richten sich da ja auch nachdem, was am meisten gewollt wird denke ich mal. Yep, und es stellt sich die Frage, ob sich die WIR-Gemeinschaften ueberhaupt krumm legen sollten, um sich nach den ICH-Menschen ausrichten zu koennen. Nein ich denke mal das sollten sie nicht, weil man es mir in der Richtung wharscheinlich auch schwer recht machen kann.. dafür muss ich halt auf das "Vereinsgefühl" verzichten. (Tarantel - 14.06.2005)

Nicht besetzt: Dachte, die Nachfrage sei vorhanden und ging davon aus, das auch mal alle Radl oder Laufbaender besetzt sein koennten. Kurszeiten: Na, da musst du dich ja auch nach denen richten. Auswahl: Man kann auch mal flexibel sein, wenn es einem wirklich nur um Bewegung, Abspecken, Fitness geht. Aber das hatten wir ja schon mal... (ohne Namen - 15.06.2005)

Es gibt von jedem Gerät genügend... hab noch nie Probleme gehabt...so gross ist die Nachfrage dann wohl doch nicht mehr... liegt auch immer bissl an der Uhrzeit. In den späteren Abendstunden ist es voller... Kurszeiten: Na, da musst du dich ja auch nach denen richten. Hab ich doch gesagt... das ist das einzige nach dem ich mich richten muss... Auswahl: Man kann auch mal flexibel sein, wenn es einem wirklich nur um Bewegung, Abspecken, Fitness geht. Aber das hatten wir ja schon mal... Könnte man... ist man aber nicht... denn wie gesagt hab ich auf z.B. Ballsport keinen Bock, auch Fechten oder Trambolinspringen ist nix für mich... deshalb geh ich ja auch ins Fitnesscenter, da hab ich das wo ich Lust drauf habe. (Tarantel - 15.06.2005)

Tja, und damit waeren wir wieder bei dem Mentalitaetsproblem ;) (ohne Namen - 16.06.2005)

Ja? Mit Mentalität hatte ich eigentlich ursprünglich gemeint, dass in anderen Ländern/bei anderen Nationalitäten das Ursprungsproblem dieser Diskussion nicht besteht, die also noch nicht unter "Öffentlichkeitsmangel" leiden... (Tarantel - 16.06.2005)

Yep, aber Unterschiede gibts ja auch innerhalb der Bevoelkerungen... (ohne Namen - 17.06.2005)

Kann sein... aber es sind leider verschwindend geringe Menschenmengen, die noch Wert auf echtes öffentliches Leben legen... Die meisten sind beeinflusst von Medien und folgen Modeerscheinungen... die meisten von diesen Modeerscheinungen gehen weg vom WIR-Gefühl und hin zum ICH... z.B. das ganze Computer- und Konsolengedöns... Und in den grossen Städten ist Anonymität sowieso ganz gross geschrieben... der nächste Nachbar interssiert meistens schon gar nicht mehr... (Tarantel - 17.06.2005)

Yep, aber auch das geht durch alle moeglichen ("westlichen") Laender. Und da ist man auch ein wenig schizo: Die gleichen Leute, die fordern, das alle flexibel, mobil und hoppingwillig sein sollen, bemaengeln dann die daraus resultierenden Werteverluste, Haltlosigkeiten, Versingelungen, Verarmungen von sozialen Beziehungen, usw. Eins geht nur. (ohne Namen - 18.06.2005)

Sind das wirklich die Gleichen? (LT-Team - 19.06.2005)

Irgendwie prallen da halt wohl alte "Traditionen" und neue "Werte" oder wie auch immer man die Phänomene dieser Zeit auch bezeichnen will aufeinander. Die Frage die sich mir stellt... kann man da eine "Vereinigung" erzielen, so dass sich da was Neues entwickeln kann? Wenn ja wie? (Tarantel - 19.06.2005)

Oft. Allen voran Parteien und Politiker ;) (ohne Namen - 19.06.2005)

Wie soll das gehen, wenn sich beides widerspricht bzw. das eine das andere erzeugt? Da musst du schon klonen o.ae. und einen neuen Menschen ohne seine sozialen Gene zuechten, damit er nicht mehr darunter leidet, wenn seine Natur verbogen wird - also seine Natur wegzuechten. (ohne Namen - 19.06.2005)




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